Im Oktober 1992 erschien in Japan Super Mario Land 2: 6 Golden Coins, nach Europa kam es im Januar 1993. Entwickelt wurde es bei Nintendo R&D1 unter Produzent Gunpei Yokoi, dem Erfinder des Game Boy. Mit über 11 Millionen verkauften Exemplaren gehört es zu den erfolgreichsten Game-Boy-Spielen überhaupt – und es ist das Spiel, in dem Wario, Marios neuer Widersacher, zum ersten Mal auftritt.

Für mich ist es jedoch mehr als die Summe seiner Teile und zwar definitiv mein Lieblingsspiel auf dem Game Boy und einer meiner Alltime-Favoriten überhaupt. Statt eines Artikels gibt es diesmal ein Interview mit Fragen und Antworten über ein Spiel, das mich seit meiner Gaming-Frühzeit begleitet.

Wie bist du ursprünglich zu Super Mario Land 2 gekommen?

Ich war damals sieben oder acht Jahre alt. Genau wie der Game Boy gehörte das Spiel eigentlich meiner Mutter. Wir hatten schon das erste Mario Land viel gespielt, da lag es wohl nahe, auch den zweiten Teil zu besorgen. Heute steht genau dieses Exemplar in meiner Sammlung - ein Schmuckstück samt etwas spakiger Originalverpackung und Anleitung.

Wo hast du damals gespielt?

Meistens am Küchentisch, ganz ohne Extras wie Lupe oder Licht-Aufsatz. Angesichts des kleinen, dunklen Bildschirms kann ich mir das heute kaum noch vorstellen, aber irgendwie ging das. Damals durfte ich natürlich noch nicht so ausdauernd spielen wie in späteren Jahren, aber Game Boy-Spiele waren einfach perfekt für kurze Sessions. Zumal Mario Land 2 sogar Speicherstände hatte und man nicht wie beim Vorgänger immer wieder von vorne anfangen musste.

Screenshot aus Super Mario Land 2: Mario hängt im Baum-Level an einer Decke aus klebrigem Harz.
Das Level mit dem klebrigen Baumharz ist seit jeher eins meiner Highlights im Spiel.

Was war dein erster Eindruck im Vergleich zum Vorgänger?

Grafik und Sound waren ein ordentliches Upgrade, und auch die Steuerung fühlte sich präziser an und war vielseitiger. Das Spiel leiht sich einige Grafik-Assets und Bewegungsabläufe von Super Mario World auf dem SNES – was für die limitierte Hardware des Handhelds ein ziemlicher Aufwand sein dürfte. Die Handlung spielt aber in einer ganz neuen Welt mit teils etwas abstrusen Settings und Gegnern: kleine Horrormasken in den Levels der Kürbis-Zone oder Levels aus Klemmbausteinen in der Mario-Zone. Vieles in diesem Spiel passt eigentlich nicht in Marios gewohnte Welt – und funktioniert trotzdem.

Screenshot aus Super Mario Land 2: Mario mit Hasenohren steht vor einer Backsteinmauer neben einem Gegner mit Totenkopfmaske.
Neben den bekannten Gegnern gibt es seltsame Vieher zuhauf.

Was macht Mario Land 2 spielerisch für dich aus?

Grafik, Musik und Steuerung sind für ein Game-Boy-Spiel auf erstaunlich hohem Niveau. Im Kern der Qualität steht für mich aber das kreative Leveldesign. Es kommt ein toller Flow auf und die Welten sind sehr abwechslungsreich gestaltet. Damals wie heute macht mir das Entdecken alternativer Levelausgänge und damit verbundener Geheimlevel viel Freude. Auch das wurde wohl aus Super Mario World übernommen.

Hast du eine Lieblingszone?

Ich hatte eine feste Reihenfolge, in der ich immer gespielt habe: Baum-Zone, Makro-Zone, Mario-Zone, Schildkröten-Zone, Kürbis-Zone und zum Schluss der Weltraum. In der Baum-Zone war mein Lieblingslevel das, in dem man durch klebriges Baumharz springt. Die Mario-Zone hat eine tolle Dynamik, und die Stimmung in der Kürbis-Zone mochte ich sehr. Sie war ein bisschen das, was in Mario World die Geisterhäuser eingeläutet hatten.

Screenshot aus Super Mario Land 2: Die Tree Zone als Diorama – ein riesiger Baum mit Gegnern und dem Schriftzug „Tree Zone“.
Die einzelnen Welten werden als niedliche Dioramen präsentiert.

Gab es für dich besonders schwierige Stellen im Spiel?

Als Kind hatte ich immer Probleme mit dem Weltraumlevel, in dem man durch die Schwerelosigkeit schwebt. Die wackelnden Sterne haben mich oft erwischt. Und natürlich Warios Schloss – aber dazu später mehr. Interessanterweise hat das Spiel einen einfachen Modus, wenn man im Bildschirm mit der Auswahl der Speicherstände die Select-Taste drückt. Das war damals eher untypisch für Nintendo.

Wie wirkt die Grafik auf dich – damals und heute?

Damals hatte ich noch kein besonders formelles Verständnis von Grafik, aber die Unterschiede und Besonderheiten habe ich durchaus wahrgenommen. Gegenüber anderen Jump & Runs der Zeit, vor allem gegenüber dem Vorgänger und dem ersten Super Mario Bros., war Mario Land 2 sehr schick und abwechslungsreich. Mario und die Gegner sind knuffig und toll animiert, die Level interessant gebaut, die Hintergründe stilvoll. Das Spiel ist einfach hübsch. Leider kommt es recht oft zu Slow-Downs, wenn mehrere Sprites über den Bildschirm wandern.

Technisch ist es mit Sicherheit ein Highlight auf dem Game Boy. Das Modul fasst 512 KB – achtmal so viel wie das erste Mario Land – und speichert per Batterie drei Spielstände. Die Sprites sind deutlich größer als im Vorgänger und damit die großen Figuren auf dem trägen Display nicht verschmieren, sind die Hintergründe bewusst schlicht und luftig gehalten.

Welcher Moment hat sich bei dir eingebrannt?

Ich liebe die Momente, in denen man von der Oberweltkarte in eine Zone wechselt und sich dort ein kleines Diorama öffnet. Das ist einfach toll gestaltet – so gut war das nicht einmal in Super Mario World. Und natürlich das gruselige Unwetter über Marios besetztem Schloss. Nicht zu vergessen auch der Thrill, wenn man 999 Münzen in der Spielhalle setzt …

Welche Melodien des Soundtracks hast du bis heute im Ohr?

Mehrere Themes haben sich (im positiven Sinne) festgesetzt: das aus dem ersten Level der Baum-Zone, natürlich die Gruselmusik der Kürbis-Zone und ein sehr rhythmisches Stück aus der Mario-Zone. Die Musik unterstützt den Flow aus Rennen und Springen enorm. Das ist für mich die Kunst bei einem Platformer: dass die Musik einen antreibt. Mario Land 2 hat einen der besten Game-Boy-Soundtracks aller Zeiten.

Komponiert hat ihn Kazumi Totaka, der auch die Soundeffekte beisteuerte. Kurz darauf arbeitete er an Link’s Awakening mit - auch großartig!

Wie fandest du Wario als Gegenspieler?

Ich finde, er bleibt hier noch sehr im Hintergrund – erst ganz am Ende trifft man ihn als Boss. Damals mochte ich Bowser als Gegenspieler lieber. Aber Wario wurde ja direkt im nächsten Spiel zum (Anti-)Helden, und Wario Land 1 und 2 finde ich auch großartig. In Mario Land 2 ist Wario noch etwas abstoßend gestaltet und hat Zauberkräfte; als Protagonist der folgenden Spiele wurde er wieder charmanter. Zum Glück – was wäre die Welt der Nintendo-Spiele ohne ihn?

Als Boss ist er hier spielerisch erstaunlich happig. Die Zonen-Bosse vorher sind alle kinderleicht, abgesehen von der Qualle, die mir heute noch regelmäßig Ärger machen kann. Und dann kommt Wario in drei aufeinanderfolgenden Phasen und macht einen erst mal fertig. Als Kind habe ich ihn nie geschafft.

Screenshot aus Super Mario Land 2: Marios Schloss mit Wario-Wappen; Wario steht oben auf den Zinnen.
Marios Schloss. Klempner sollte man sein. Allerdings wurde es von Wario besetzt.

Spielst du Mario Land 2 heute noch?

Oft, mindestens einmal im Jahr. Das Spiel ist tadellos gealtert, ganz im Gegensatz zur Hardware des ersten Game Boys. Aber dessen Vermächtnis sind eben vorrangig die Spiele, die dafür erschienen sind. Am liebsten spiele ich Mario Land 2 mit der originalen Cartridge aus meiner Kindheit auf dem Analogue Pocket mit aktiviertem „Erbsensuppe“-Filter. Es geht doch nichts über Authentizität.

Warum gehört das Spiel zu deinen Alltime-Favoriten?

Es löst ein angenehmes Gefühl aus und erinnert mich an meine frühe Videospielzeit: an die Küche im Elternhaus, das gemeinsame Spielen und viele spannende Momente. Es ist eines dieser Spiele, die man immer wieder spielen kann, weil der Flow stimmt. Es macht einfach sehr viel Spaß. Und der Umfang ist angenehm kompakt: Ich kann es in einer Session beenden und bin zufrieden. Damals habe ich es übrigens auch viel per Super Game Boy auf dem TV gespielt.

Wem würdest du es empfehlen?

Jedem, der verstehen will, was Nintendo in den 90ern mit dem Game Boy für das ganze Medium geleistet hat. Ich muss zugeben, dass ich paradoxerweise gar kein besonders großer Mario-Fan bin. Aber was 2D-Platformer angeht, passt hier quasi alles perfekt zusammen. Gerade vor dem Hintergrund der begrenzten Hardware ist mit Mario Land 2 etwas Großartiges entstanden, das nie an Spaß einbüßen wird.

Und in einem Satz?

Super Mario Land 2 ist ein zeitloses Monument der japanischen Videospielkunst.

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